Uns Bloggern wird ja immer wieder gerne vorgeworfen, dass wir uns nicht an journalistische Grundsätze halten würden, alles aufplustern würden, lügen und alles verdrehen würden. Und das nur echte Journalisten gut und fair schreiben können und nicht wir kleine lügenden Blogger…

Letzte Woche gabs im neuen Gebäude der Zürcher Hochschule für Künste (ZHdK) mal wieder eine Alarmmeldung (glaub es waren 3 innert 5 Tage). Wie immer bei so einem Alarm, läuft dann eine ganze Kette von Ereignissen ab. Alarmmeldung zur Polizei, Amokwarnung in der Schule, Türe die sich schliessen, Ambulanz und Feuerwehr die aufgeboten werden, usw. Natürlich zieht so eine Aktion auch die Journalisten an, wie der Kuhfladen die Fliegen, die dann natürlich auch darüber berichten müssen.

Der Blick hat sich aber diesmal selbst abgeschossen. Und zwar ging sehr schnell das Gerücht auf Twitter rum, dass Studenten von Journalisten von Aussen angechattet wurden und man ihnen Geld für ein möglichst sensationsgeilses Foto versprochen hat – so auch der Blick.

Nun hat die MEDIENWOCHE einen schönen Beitrag geschrieben wo man sehen kann, wie neutral und sachlich die Journalisten ihre Story drehen. Ich habe die ganze Story so genial gefunden, dass ich sie hier reinkopiert habe.

100 CHF für ein Foto

Eine Studentin und ihr Umfeld bewahren während eines Alarms im Zürcher Toni-Areal die Ruhe und teilen das einer «Blick»-Journalistin auch genau so mit. Doch diese fantasiert Ängste herbei. Für ein Foto, das Studenten zeigt, wie sie unter den Tischen sitzen, würde sie sogar 100 Franken bezahlen.

Heute morgen waren Teile von Zürich etwas in Aufruhr. Ein Alarm, den Medien zunächst Bombenalarm, dann Amokalarm und schliesslich Fehlalarm nannten, führte dazu, dass einige Studenten für einige Stunden in der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) im Toni-Areal ausharren mussten. Per E-Mail und per Lautsprecherdurchsage wurden sie dazu aufgefordert, die Räume nicht zu verlassen.

Um herauszufinden und zu berichten, was passiert, nahm Blick.ch um 10:15 Uhr via Facebook zur eingeschlossenen Studentin Alice Kontakt auf. Es entwickelte sich ein Chat, welcher MEDIENWOCHE in voller Länge vorliegt und den wir vergleichen möchten mit dem daraus resultierenden Artikel von Blick.ch. Die Studentin hat nur auf diesem einen Kanal mit der «Blick»-Journalistin kommuniziert, eine vorherige Bekanntschaft gab es nicht.

Der Wald und Wiesen Blog Medienwoche forderte mich auf den Beitrag zu zensieren

medienwoche-zensur

Der Chat endet um 12:09 Uhr. Alice schreibt uns, es habe sich diesmal zwar um einen Fehlalarm gehandelt, es sei aber ja nicht so, als würde «Blick» in einem Ernstfall taktvoller vorgehen: «Amokläufe sind ja an und für sich dramatisch genug, da muss man nicht noch mehr draufhauen. Vielleicht ist es naiv von mir zu glauben, die Medien sollten von Fakten berichten, und nicht die Situation soweit verzerren, bis sie auf die Story passt, die sie gerne erzählen würden.»

Hier in der Medienwoche ist dieser Artikel unter dem Titel: Leicht verdientes Geld erschienen von Ronnie Grob.

Fazit:

Hier habt ihr ein wohl typisches Beispiel von (moderner) journalistischer Arbeit. Ich habe extra (moderner) hingeschrieben, weil früher war das anders. Da haben die Journalisten sich noch als Informationskanal verstanden der aufklärt und informiert. Sie haben gut recherchiert und gute interessante Storys geschrieben. Heute aber kämpfen die Journalisten wortwörtlich ums überleben. Ihr ärgster Konkurrent ist das Internet. Sie haben gar keine Zeit mehr für eine gute Story zu recherchieren. Sie müssen sofort einen Text zu etwas abliefern, der viele Views generiert und viele Social Media Klicks sammelt. Nur so können die Journalisten noch ihren Job rechtfertigen – weil sonst könnten die Verlage ja nur noch Cat-Content veröffentlichen, der genauso oder noch erfolgreicher ist.

Hier sieht man also, wie Journalisten aus einem harmlosen Chat eine sensationsgeladene Story dreht. Ich persönlich finde so was sehr spannend zu sehen wie man, mit einem Wortdreher aus einer Fliege einen Elefanten machen kann.

Nun ist es aber so, dass diese Art zu schreiben bei den Journalisten wohl funktionieren mag, aber nachhaltig ist dieses Modell sicher nicht. Denn sobald auch der letzte Depp gemerkt hat, dass die Texte müll sind, werden die Klicks/ Viewzahlen einbrechen und die Zeitung sterben. Und das will man als Blogger natürlich gar nicht. Man kann schon aus einem harmlosen Text was drehen – aber man sollte es nicht übertreiben. Wenn ein Unternehmen nur immer schreibt „wie hübsch, geil sie sind und dass sie die Besten der Welt sind“, dann lest der Mensch das 1 oder 2x und danach wird er es ignorieren. Es ist so wie die Geschichte mit dem „Schafhirten und dem Wolf“

Also was können wir aus diesem Blick’schen Desaster lernen?

  1. Man kann aus jedem Text was komplett anderes drehen
  2. Wenn man sowas dreht, sollte man sich nicht erwischen lassen
  3. Am Besten gar nichts drehen sondern bei der Wahrheit bleiben und dafür einen guten Text mit Mehrwert liefern
  4. Blogger sollten sich nicht auf das Niveau von solchen Journalisten runter begeben sonst werden sie bald auch sterben wie die Zeitungen

Update

Warum ich das Ganze zensiert habe kann man nun ab sofort im Blogbeitrag Medienwoche, die Moralwächter und Heuchler – Finger Weg ! nachlesen

Über

Eric-Oliver Mächler

Seit 2005 bin ich ein aktiver Blogger. Ich kenne die Kniffe und die Tricks um einen Blog erfolgreich zu machen. Hier gebe ich diese kleinen Tricks gerne weiter und freue mich, wenn ich euch helfen kann. Hier erfährt man mehr über mich.

3 Kommentare

  • Super Artikel, der mal einen Einblick schafft, wie unsere Realität zurecht gebogen wird. Wenn es schon bei so etwas „kleinem“ an keiner Fantasie der Journalisten mangelt, wie ist es dann wohl erst bei großen Berichterstattungen… tja… die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen… oder unter dem Teppich

  • Der Wald und Wiesenblog Medienwoche bei dem ich den Artikel gefunden habe, hat mich aufgefordert diesen Beitrag sofort zu löschen. Ich habe mit dem widersetzt und die Passagen zensiert ! Die ganze Story folgt später hier auf diesem Blog

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