Bei der Abschlussprüfung der Lehre knapp durchgefallen, beim Staatsexamen der Humanmedizin um wenige Punkte gescheitert, oder im Fach Physik nur die Note vier statt der fünf erreicht: «Diese Entscheide sind nicht unantastbar», schreibt die neu lancierte Internetplattform «fragdenanwalt.ch», denn «sie können jedes Prüfungsresultat anfechten». Per Mausklick lässt sich auf der Website mit einem Anwalt Kontakt aufnehmen, der sogleich einen Rekurs gegen das Prüfungsresultat einreicht.

War es früher undenkbar, die Autorität der Lehrer anzuzweifeln und Noten anzufechten, sei das heute regelmässig der Fall, schreibt die «Schweiz am Wochenende». Vom Kindergarten über die Mittelschulen zu den Universitäten: Eltern streiten mit Pädagogen, Studenten mit Professoren. Und schaffen damit ein neues Business für Anwälte.

Auf der Website des Zürcher Start-ups fragdenanwalt.ch bieten Anwälte Beratungsgespräche zu Pauschalpreisen an. Eine Erstberatung bei Scheidung kostet 298 Franken. Wer Unterhaltszahlungen reduzieren oder erhöhen will, zahlt 519 Franken. Und die Anfechtung des Prüfungsresultats schlägt mit 298 Franken zu Buche. Die billigen Preise seien gemäss «Schweiz am Wochenende» nur möglich, weil die Beschwerden der Online-Anwälte zum Teil aus zusammenkopierten Textbausteinen bestehen. Trotzdem boome das Geschäft, sagt Didier Kipfer, einer der Anwälte auf der Online-Plattform, gegenüber der Zeitung.

In den Monaten August und September habe er am meisten Arbeit, sagt Kipfer, denn in dieser Zeit würden die Lehrabschlussprüfungen angefochten. Diesen Sommer habe er neben seiner normalen Arbeitstätigkeit fast 50 Beratungsgespräche durchgeführt. Eine Entwicklung, die auch die Schulen zu spüren bekommen.

 

So haben laut der «Schweiz am Wochenende» alleine im Kanton Zürich dieses Jahr schon 85 Schüler einen Rekurs gegen nicht bestandene Gymi-Aufnahmeprüfungen eingelegt – nur fünf wurden gutgeheissen. Bis Ende Jahr rechne der Rechtsdienst der Zürcher Bildungsdirektion mit insgesamt bis zu 300 Rekursen, ein neuer Rekordwert. Auch in anderen Kantonen würden steigende Rekurs-Zahlen verzeichnet.

Dass die Spannungen an den Schulen steigen würden, bestätigt Bernard Gertsch, Präsident des Schulleiterverbands, gegenüber der Zeitung. Eltern fühlten sich von den Lehrern oft missverstanden und sähen ihren Nachwuchs unfair behandelt. Lehrerpräsident Beat Zemp schlägt im Gespräch mit der Zeitung daher die Einrichtung von Ombudsstellen vor, an die sich Eltern wenden können, wenn sie sich ungerecht behandelt fühlten . So könnten Konflikte frühzeitig gelöst und eine Eskalation verhindert werden.






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