So also der 1. Mai ist da und wir alle wissen in was für eine komische Zeit wir leben oder lebten. Der Schweizer Bundesrat hat den Sieg über die Krankheit erklärt und kapituliert und die Schweiz öffnet jetzt stufenweise alles wieder normal. Eigentlich stimmt das gar nicht, aber die Schweizerinnen und Schweizer, also das Volk, hat das so verstanden.

Ich erinnere mich noch gut daran, als ich mich in Quarantäne begeben haben und zwar eine selbst auferlegte und die habe ich ganz streng durchgezogen – der Start war das am 9. März. Der Schweizer Bund hat nämlich sich ein paar Tage vorher die Absolute Macht angeeignet in dem sie einen Kriegsartikel aktiviert hat. (Ja ich weiss, es heiss eigentlich «besondere Lage» gemäss Epidemiengesetz). Ab dieser Erklärung hat der Bundesrat eigentlich das Parlament und alle Politiker ausgeschaltet – nein nicht gekillt sondern einfach auf Mute /lautlos gestellt. Ein Notfall ist ja auch keine Zeit wo man nur redet – und das tun ja Politiker nur – sondern man muss sofort handeln – darum war dieser Entscheid ganz ok. Somit hat der Bundesrat die absolute Macht für 6 Monate und dann muss sie Rechenschaft ablegen oder das Parlament um eine Verlängerung anfragen. Ich persönlich vertraue auf das stabile Schweizer System, dass sie den Bundesrat in schach halten – immerhin wissen wir wie der Bundesrat darauf war nach dem 2. Weltkrieg. Da wollte der Bundesrat seine absolute Macht auch nicht mehr abgeben und musste vom Volk gezwungen werden. Wir sind uns also bewusst, dass absolute Macht verführt und stoppen das also…

Naja ich gehöre ja eigentlich zur Gattung Mensch der täglich einkaufen geht und zwar nur das was er am gleichen Tag vernichtet (ausser ein paar Dosen Pelatti und ein paar Kisten Pasta war hier nix gelagert). Ich hatte weder einen grösseren Notvorrat an Futter noch an Wasser. Und so habe ich mich Mitte Januar bis Mitte Februar darauf vorbereitet und mir was kleines aufgebaut.

Naja der Bundesrat hat dann den Notfall erklärt und ich habe angefangen nur noch jeden 3. Tag rauszugehen und das habe ich durchgehalten – egal ob es war und Sonnenschein war oder kalt und gruusig. Aber ich war einer der wenigen – die meisten der Leute denen war das egal – sie gingen in Gruppen wandern, einkaufen spazieren usw.

Man hat richtig gemerkt, die Schweizer sind sich nicht gewöhnt, dass ihnen der Staat was vorschreibt. Immerhin haben wir hier in der Schweiz eigentlich ein sehr freiheitliches System – alles ist erlaubt was nicht verboten ist. Das ist ja das komplette Gegenteil von dem was so tyrannische Staaten wie die EU aka Deutschland oder die USA so kennen. Da ist alles verboten was nicht ausdrücklich erlaubt ist. Und darum hatten viele Leute mühe, wenn der Staat auf einmal sagst – du bleibst zuhause und schützt die Schwachen. Immerhin ist Schwäche in der Schweiz verboten genauso wie Armut oder Krankheit – wer kein Geld verdient ist hier WERTLOS und kann ruhig entsorgt werden.

Naja aber es war nichts zu machen – das jammern nützte nichts und wir hatten einen kleinen Lockdown.

Für mich änderte sich beruflich ja auch nicht wirklich was, sitze seit bald 20 Jahre nur im Home Office und kenne darum dieses Leben. Aber wenn ich so die überforderten Mütter und Väter in den Social Media gelesen habe, war die Umstellung wohl für die meisten viel zu brutal.

Ich denke die meisten Frauen und Männer haben das erste Mal gemerkt, dass sie noch Kinder zu Hause haben. Immerhin ist es ja eigentlich so, dass sich die Frauen schwängern lassen und sobald sie gekalbt haben, wird das Kind aka Goof in der Kita entsorgt. Mami muss ja sofort arbeiten gehen, damit sie sich die neueste Gucci Handtasche leisten kann und ihre Gelfingernägel die ja auch nicht günstig sind. Und jetzt haben sie gemerkt, dass man sich um die Kinder selbst kümmern muss und sind zuhause fast durchgedreht.

Und so sah man diese Schweizerinnen und Schweiz fast täglich unterwegs und haben sich einen Dreck um den Lockdown geschert.

Natürlich hat der Lockdown gewirkt und eine Überschwemmung der Spitäler mit Covid19 Patienten konnte verhindert werden und sobald das bekannt geworden ist, haben diese Trottel von SchweizerInnen und Schweiz angefangen zu rebellieren und der schwache Bundesrat hat vor wenigen Tagen kapituliert. Wir stecken nämlich gerade im Auge eines Supertornados – hier ist Windstill und die Vögel pfeifen, aber die Krise ist noch nicht vorbei.

Egal der Bundesrat hat wohl gesagt, dass die Lockerungen jetzt anfangen aber die Bevölkerung hat nur verstanden „Lockdown ist fertig“ – ihr könnt weitermachen wie bisher…

Nun zum eigentlichen Thema…

Während des Lockdown gabs eine neue Regel die besagte, nur N Personen dürfen pro m2 gleichzeitig in einem Laden wie die Migros sein.

Ich rede jetzt besser nicht davon, wie die Migros diese Regel missbraucht hat und ignoriert hat. Jeder der in diesem Laden war, weiss das 2m Abstand unmöglich ist wenn 30cm neben der Person schon die dicht gestappelten Gesteller stehen. Die Migros sorgt also immer für eine kuschlige Atmospähre und Körperkontakt ist hier die Regel… Egal….

Um die Anzahl eingetretenen Kunden zu messen, hat die Migros entweder Security Mitarbeiter abgestellt oder Kassiererinnen die an der Türe stand und die eintretenden oder verlassenden Kunden erfasst haben. Sie haben dafür sogar moderne Apps verwendet, die ich noch cool gefunden habe.

Anfangs Woche hat die Migros aber diese Kontrollen abgeschafft und mit einem unausgereiften System ersetzt. Und zwar haben sie an der Decke so ein Erfassungsgerät montiert.

covid19 ampel migros 1 - Covid19 Fail der Migros vs Schweizer Kunden

und eine Ampel aufgestellt. Dafür haben sie auch klar den Eingang und den Ausgang markiert.

covid19 ampel migros 2 - Covid19 Fail der Migros vs Schweizer Kunden

Heute war es dann das erste Mal soweit – die Schweizer gingen heute ganz normal einkaufen – wie in den Jahre zuvor. Das heisst die Migros war um 10 Uhr voller Leute – die ein deutscher Politiker als „eh tot in 6 Monate“ bezeichnet hat – also alte Menschen und Mütter mit dicken Kinderwägen und schreienden Knirpse.

Lustig war zu sehen, wie diese Kunden den Eingang und Ausgang Hinweis ignoriert haben und sind beim Eingang rausgegangen und beim Ausgang reingegangen. Der Zähler wurde ignoriert – ich persönlich bin aber extra angestanden und habe diese Fotos geschossen und schnell gemerkt, dass dieses System total untauglich ist. Geht nämlich jemand im Eingang raus, wird der Kunde nicht erfasst.

Man sieht hier richtig, da wurde ein System gezimmert ohne Debug oder Alpha Tests. Erinnert mich an diese beiden Beispiele die wir immer wieder so ähnlich erleben. Da wo das Design den Kundenkontakt nicht überlebt.

user vs design 1 - Covid19 Fail der Migros vs Schweizer Kunden

oder

user vs design 2 - Covid19 Fail der Migros vs Schweizer Kunden

Fazit

Ich musste hier wirklich schön lachen, denn dieses automatisierte System ist wirklich eine Katastrophe. Die Idee hat sicher auf dem Papier gut getönt, aber in der Realität ist es nach wenigen Minuten gescheitert. Auch wenn die ganze Welt von AI und KI spricht, der Mensch ist immer noch überlegen im vergleich zu so einem automatischen System.

Und das kann man auch für sein eigenes Business lernen. Wenn etwas auf dem Papier oder in der Theorie gut klingt, dann muss es nicht auch in der Realität gut sein. Darum muss man alles zuerst im kleinen Testen bevor man es auf die ganze Bevölkerung los lässt.
Und dann muss man auch auf diese Alpha / Beta Gruppe hören und sein Produkt oder Idee verbessern. Ich bin sicher, die Migros wird hier auch schnell merken, dass ihr neues System komplett überfordert ist und ausgetrickst wird.