Finger weg von WeTransfer – Sie klauen eure Daten

von Eric-Oliver Mächler | Juli 21, 2025 | Allgemein | 0 Kommentare

Schlagwörter: KI / AI

Heute habe ich schlechte Nachrichten für alle, die gerne Daten über WeTransfer verschicken.

Ab dem 8. August 2025 gelten neue AGB – und die haben es in sich.

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Vor allem der Abschnitt zu den Rechten an den übertragenen Daten sorgt gerade für mächtig Wirbel.

Dort heisst es wörtlich:

Ich habe den entscheidenden Teil für euch rausgesucht:

perpetual, worldwide, nonexclusive, royalty-free, transferable, sublicensable license

Auf Deutsch bedeutet das in etwa:

Eine unbefristete, weltweite, nicht-exklusive, lizenzgebührenfreie, übertragbare und unterlizenzierbare Lizenz.

Was bedeutet das konkret?
Kurz gesagt: WeTransfer möchte sich das Recht sichern, alle Daten, die ihr über deren Plattform schickt, zu kopieren und für KI-Trainings zu nutzen.
Verschickt ihr also Kundenprojekte, hat WeTransfer das Recht, alles damit zu machen – sogar kostenlos weiterzugeben.

Ich kenne Anwälte, die ganze Verträge (inkl. NDA) über WeTransfer senden. Oder Designer, die ihre neusten Photoshop-Dateien darüber teilen.
Die werden nicht schlecht staunen, wenn ihre Daten plötzlich irgendwo anders auftauchen…

Fazit:

Ich kann nur dringend warnen: Finger weg von WeTransfer.

Ja, ich weiss – jetzt kommen die Experten und sagen:
„Aber Eric, wir können doch SwissTransfer benutzen!“

Klar könnt ihr – aber ist das wirklich sicher? Auch dieses Unternehmen kann von Heute auf Morgen ihre AGB ändern und dann seid wieder am gleichen Ort.

Ich bin da skeptisch. Die Schweiz ist nicht mehr lange der „sichere Hafen“, als der sie oft dargestellt wird.
Der Bund arbeitet bereits an einer massiven Ausweitung der Überwachung. Selbst Anbieter wie Proton überlegen sich deshalb, das Land zu verlassen – ihr Geschäftsmodell wird durch diesen Überwachungsstaat direkt bedroht. (Schweizer Tech­firmen wehren sich gegen Ausbau des Überwachungs­staats)

Wenn ihr also sensible Daten an Kunden schicken müsst, nutzt wirklich sichere Alternativen:
Ich persönlich verwende Nextcloud (ein Fork von Owncloud). Da bleiben die Daten auf meinem Server, und die Kunden laden sie dort direkt runter.

Und wenn ihr keine eigene Cloud betreiben wollt, nehmt FTP und schickt den Download-Link.

So sehe ich das – und darum mein klarer Hinweis:

FINGER WEG VON WeTransfer.

Wie WeTransfer darauf reagierte

Ihr könnt euch vorstellen, dass der Shitstorm sofort losging. Und so hat WeTransfer mit einem eigenen Blogartikel reagiert:
WeTransfer Terms of Service — What’s really changing.

Kurz zusammengefasst: Sie sprechen von einem Missverständnis. Die KI sei angeblich nur dazu gedacht, Inhalte moderner zu gestalten und die Verbreitung illegaler Inhalte zu verhindern.

Also viel Marketing-Blabla.

Inzwischen hat WeTransfer den KI-Teil aus den AGB wieder entfernt.

Aber auch die aktuelle Klausel 6.3 ist nicht gerade beruhigend. Dort steht, dass eure Daten weiterhin zur Verbesserung der Dienste verwendet werden dürfen. Für mich klingt das wie: „Wir behalten uns vor, eure Daten mit anderen KI-Diensten zu füttern – einfach so, just for fun.“

Unterm Strich: Für mich macht die neue AGB keinen grossen Unterschied. Ich bleibe dabei: Finger weg von WeTransfer.
Sie haben ziemlich deutlich gezeigt, wohin die Reise geht – und was sie von ihren Nutzerinnen und Nutzern halten.

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